Interview mit der Winzerin Delphine Morel aus Chardonne

Vielleicht haben Sie im Hotel du Léman schon einmal die Weine von Delphine Morel gekostet? Etwa den «Le Chantey» mit Chasselas-Trauben aus Chardonne oder einen «Le Nectar», der eine Mischung aus Pinot-Gamay- und Gamaret-Reben ist … Wir arbeiten gerne mit lokalen Produzenten zusammen und fördern deren Produkte. In unseren Augen ist das der richtige Ansatz, um als Hotel einen Teil unserer sozialen Verantwortung zu übernehmen. Da uns die ungewöhnliche Karriere der jungen Winzerin aus Chardonne beeindruckt hat, möchten wir sie Ihnen vorstellen. In einem Interview!

Hotel du Léman (HDL): Könnten Sie sich bitte kurz vorstellen?

Delphine Morel (DM): Ich bin 32 Jahre alt und vertrete auf dem Weingut «Morel Jean-François» in Chardonne als Selbstkelterer die 4. Generation meiner Familie. Obwohl ich bereits von Kindesbeinen an die Weinbergluft «geschnuppert» habe, arbeitete ich zuerst sieben Jahre als kaufmännische Angestellte. Dann hatte ich es aber satt, den ganzen Tag eingesperrt zu sein. Mir wurde klar, dass ich zurück in den Weinberg musste. Also nahm ich mein Studium wieder auf und studierte von 2011 bis 2014 an der Hochschule für Önologie in Changins. Nach einem 3-monatigen Praktikum in einer Kellerei in Südafrika arbeite nun seit 2015 mit meinen Eltern und einem Mitarbeiter zusammen, der bereits seit 32 Jahren bei uns arbeitet!

Aber ich finde es auch schön, ab und zu aus dem Weinberg herauszukommen! Ich bin gern in den Bergen, fahre Rad und mache Yoga, um meinen Rücken für die Weinstöcke wieder fit zu bekommen … ausserdem liebe ich Reisen, was in meinem Job allerdings nicht immer möglich ist. Das geht nur in der Zeit vor der Weinlese und im Winter. Ich verreise oft dahin, wo es ebenfalls Weinberge gibt und versuche, wenn möglich, andere Weine zu probieren. Badeurlaub mag ich auch, aber höchsten für zwei Tage. Ich treibe im Urlaub gerne Sport, gehe Tauchen oder unternehme z.B. Skitouren. Ich kann schlecht nichts tun, wobei es sicher auch manchmal angenehm ist, sich einfach auszuruhen.

HDL: Wie hat Ihr Umfeld reagiert, als Sie sich entschieden hatten, Winzerin zu werden?

DM: Alle waren erleichtert, dass es nun doch eine neue Generation geben sollte. Und ich fühlte so etwas wie Bewunderung. Denn meine Eltern wollten eines nicht: dass eine meiner beiden Schwestern oder ich sich gezwungen fühlen, den Betrieb zu übernehmen, ohne dafür die nötige Leidenschaft mitzubringen. Jetzt sind sie stolz, dass es hier weitergeht! Dieser Beruf hat mich schon als Kind begeistert, aber ich dachte: «Das ist doch eher ein Männerberuf» …

Es fiel mir als Frau aber nicht schwer, mich einzuarbeiten. Im Übrigen gibt es immer mehr Frauen in diesem Beruf. In meiner Zeit an der Hochschule in Changins waren dort 50 % Männer und 50 % Frauen, die ihren Abschluss machen wollten. Allerdings waren es 5 Jahre vorher nur 2-3 Mädchen pro Klasse! Die Winzer im Dorf sehen ausserdem, dass ich tatsächlich im Boden wühle und die Rebe versorge, also nicht nur zum Schöntun da bin. In unserem Dorf haben wir Glück und ein sehr gutes Verhältnis mit anderen Winzern. Wir arbeiten häufiger zusammen, als dass wir uns gegenseitig das Leben schwer machen.

HDL: Wie schätzen Sie die Ernte in diesem Jahr ein?

DM: Es sieht gut aus, allerdings werden wir früh anfangen und um den 20. September herum mit der Ernte beginnen. Einige Reben haben allerdings schon ein wenig unter der Sommerdürre gelitten, aber die Trauben sehen schön aus. Der kurze Hagel Anfang August hat in manchen Parzellen zum Glück nur 10 % der Trauben getroffen. Wir haben ja keinen Einfluss auf das Wetter, was diesen Beruf aber auch interessant macht: Jedes Jahr ist anders. Bei der Ernte helfen insgesamt etwa zwanzig Leute aus der Gegend oder Freunde. Ich liebe diesen Moment des gemeinsamen Schaffens: Er ist irgendwie feierlich und für mich der Höhepunkt im Arbeitsjahr. Wenn wir die Trauben erst mal im Bottich haben, sind wir richtig glücklich! Ab da kann uns das Wetter keinen Streich mehr spielen. Wir verfügen über 6,5 Hektar Rebfläche in Chardonne, Saint-Saphorin, Yvorne und Ollon.

HDL: Welchen Wein mögen Sie am liebsten?

DM: Das kommt ganz auf den Moment an und darauf, wozu ich ihn trinke. Der Chasselas ist von allen Rebsorten natürlich das Flaggschiff der Region, sozusagen unser Markenzeichen. Die Touristen, die im Hotel du Léman zu Gast sind, sollten diesen Wein unbedingt probieren, da er genauso gut zum Aperitif wie zu einem Fisch oder Käse passt.

Besuchen Sie Delphine Morel am Samstag, den 17. November, beim Tag der offenen Tür der Weinkeller in Chardonne! An diesem Tag haben alle Winzer ihre Keller geöffnet. Neben kleinen Speisen erwarten Sie musikalische Unterhaltung mit Blaskapelle und Weinproben (CHF 20.- zahlen Sie für das Glas, mit dem Sie die Weine in allen Kellern probieren können). www.chardonne-vins-ch

Facebook : Morel Vins      Instagram : Morel Vins      www.morel-vins.ch

Hôtel du Léman ist stolz darauf, seinen Kunden lokale Weine zu servieren!